Zyklusvorlesung "Sinnesphysiologie - vom Ionenkanal zum Verhalten"

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Pheromone - soziale Signale
I. Pheromon-gesteuerte Verhaltensweisen
II. Das vomeronasale Organ


Themen:

Leben ohne Pheromone ?
 
ohne.jpg Die Vorstellung, daß auch das Verhalten von Menschen durch Pheromone beeinflußt werden kann, fasziniert viele Menschen und führt zu einer Vielzahl unwissnschaftlicher, halb-wissenschaftler und wissenschaftlicher Publikationen zu diesem Thema. Tatsächlich kann man Experimente durchführen, bei denen ein Nachweis chemischer Signale auf Motivation, Stimmung oder Hormonproduktion bei Menschen geführt werden kann.
 
Allerdings ist ein Vergleich dieser Beobachtungen mit den Pheromon-kontrollierten Verhaltensmustern von Nagetieren sehr kritisch zu beurteilen. Echte Pheromon-kontrollierte Verhaltensweisen sind oft robuste, stereotype Handlungsabläufe, die mit der Funktion des VNO korreliert werden können. Beim Menschen ist eine solche Korrelation nie gezeigt worden. Obwohl vomeronasale Organe bei manchen Menschen nachgewiesen werden können, ist es doch zweifelhaft, ob diese Strukturen überhaupt funktionstüchtig sind. Dagegen sprechen folgende Befunde:
  • Über 95% der Gene für die Pheromonrezeptoreen der V1R- und V2R-Familien sind beim Menschen defekte Pseudogene
  • Das Gen für den Transduktionkanal TRPC2 ist ein vielfach mutiertes Pseudogen
  • Menschen haben keinen akzessorischen Riechkolben
Aufgrund dieser Tatsachen ist es äußerst unwahrscheinlich, daß ein VNO-vermitteltes, verhaltensbestimmendes Pheromonsystem bei Menschen existiert.

Stephan Frings, Uni Heidelberg,        Abt. Molekulare Physiologie                   Dezember 2005                   s.frings@zoo.uni-heidelberg.de