Schmerzrezeptoren und ihre Synapsen

Inhalt:      1. Nozizeptoren           2. Neuropeptide

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Aussehen eines Nozizeptors

Schmerzrezeptoren- auch Nozizeptoren genannt- werden zusammenfassend als "Afferenzen, die zu motorischen Flucht- oder Schutzreflexen führen" bezeichnet. Nozizeptoren sind primäre Sinneszellen mit einer hohen Erregungsschwelle, die zur Bildung von Aktionspotenzialen befähigt sind.

Während der Zellkörper des Nozizeptors im Rückenmark liegt (Dorsal-root-ganglion), strahlt das terminale Axon als sensorisches Endbäumchen in alle schmerzempfindlichen Teile des Körpers aus (Haut, Wand der Hohlorgane, etc.). Als Schmerzfasern werden vornehmlich die sehr dünnen, marklosen C-Fasern mit einer hohen Erregungsschwelle und einer geringen Leitungsgeschwindigkeit (<2m/sec) bezeichnet, aber auch die dünnen markhaltigen A-Fasern mit einer etwas höheren Erregungsschwelle und Leitungsgeschwindigkeit (2-40m/sec.).

In Abbildung1 ist eine Schmerzfaser dargestellt. Die Pfeile weisen  auf Bereiche hin, die nicht von Schwann-Zellen umhüllt sind, so daß die Axonoberfläche direkt mit dem Gewebe in Kontakt tritt. Die Anhäufung von Mitochondrien, Glycogengranula sowie Vesikeln, in denen Neuropeptide vermutet werden, deutet auf eine rezeptive Stelle, den eigentlichen Sensor des Nozizeptors, hin.

Abb. 1: Schmerzfaser (Erläuterung im nebenstehenden Text)

Quelle: Handwerker, H.O. (1999) "Einführung in die Pathologie des Schmerzes"

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Neuropeptide:

Schmerzauslösender Reiz

Neuropeptid

Mechanische Stimulation

Substanz P, Neurokinin A, CGRP

Thermische Stimulation

Substanz P, Neurokinin A, CGRP, Somatostatin, VIP

Entzündung / Chemische Stimulation

Substanz P, CGRP

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Polymodale und schlafende Nozizeptoren:

Als Neuropeptide werden kurze Aminosäureketten bezeichnet, die als Transmitter wirken, welche entweder EPSPs oder IPSPs in der postsynaptischen Zelle auslösen. Aus Tabelle 1 ist ersichtlich, daß verschiedenartige Stimulation des Nozizeptors zu verschiedenen Transmitterantworten führen.

Ein Nozizeptor muss auf die unterschiedlichen physikalischen Reize wie Hitze oder Druck, chemische Reize wie pH-Erniedrigung bzw. pH-Erhöhung sowie auf Entzündungen reagieren. Ein Nozizeptor kann auf alle Modalitäten reagieren. Solche Nozizeptoren wurden früher Polymodale Fasern genannt. In der neueren Forschung wird nur noch der Fasertyp genannt, sowie die Modalitäten, für die diese empfindlich ist. Eine CMH-Faser ist somit eine Faser des C-Typus, die für die Modalitäten Hitze und Druck empfindlich ist. Ein Anderes Beispiel ist die AMH-Faser (Ad).
Unter den CMH sowie AMH-Fasern wurde eine Population gefunden, welche erst durch die genannten Modalitäten erregbar ist, wenn eine Entzündung vorliegt. Diese werden als "schlafende Nozizeptoren" bezeichnet.

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Die Erregung eines Nozizeptors (Beispiel: der VR1-Rezeptor):

Der VR1-Rezeptor ist ein Rezeptorprotein, welches an einen nicht spannungsabhängigen Kanal in einem Nozizeptor gekoppelt ist; er wird durch die Einwirkung von noxischen Hitzereizen und durch den pflanzlichen Wirkstoff Capsaicin stimuliert.                                                                                                                                                     Capsaicin, ein Vanilloid aus vielen Paprikasorten, das  für den scharfen Geschmack verantwortlich ist, wird in der Schmerzwissenschaft als Leitsubstanz verwendet, um Nozizeptoren zu identifizieren.                                                           In Abbildung 2 sind verschiedene Zellereignisse in einem Nozizeptor dargestellt, die entweder zu einer Erregung oder zu einer Sensibilisierung, bzw. Desensibilisierung der Zelle führen. 

Abb.2:  Verschiedene molekulare Ereignisse in einer nozizeptiven Nervenzelle  (nicht vollständig). Erläuterungen  im Text.

 Quelle: Stuart Bevan, "Nociceptive pripheral neurons: cellular properties"

Wirken Capsaicin oder ein noxischer Hitzereiz auf den VR1-Rezeptor ein (1), so öffnet dieser den gekoppelten Kanal und es kommt zu einem unspezifischen Kationeneinstrom in die Zelle. Die darauffolgende Depolarisation öffnet spannungsabhängige Na+ -Kanäle (2). Ist die Depolarisation ausreichend, kommt es schließlich zur Bildung von Aktionspotentialen. H+-Ionen können nicht allein den VR1-Rezeptor stimulieren, aber eine pH-Erniedrigung des Außenmediums potenziert den Kationeneinstrom in die Zelle.

Eine Depolarisation kann auch durch einen Liganden-gekoppelten Kanal ausgelöst werden (3).  Ein Beispiel hierfür ist 5-HT (5-Hydroxytryptamin), welches an den 5-HT3-Rezeptor bindet und einen gekoppelten Kanal öffnet.

Der Bradykinin-Rezeptor ist ein Beispiel für einen G-Protein gekoppelten Rezeptor. Bindet Bradykinin (BK) an den Rezeptor (4), so werden die Phospholipasen C (PLC) und A2 (PLA2 ) aktiviert. PLC erhöht hauptsächlich den intrazellulären Diacylglycerol-Spiegel (DAG) in der Zelle (5), welches wiederum die Proteinkinase C (PKC) stimuliert.

Die Proteinkinase phosphoryliert verschiedene Aminosäurereste von Proteinen und somit auch von Na+-Kanälen, wodurch sich deren Eigenschaften ändern. Die phosphorylierten Na+-Kanäle (6) öffnen sich schon bei einem geringeren Membranpotential. Somit kommt es zu einer Depolarisation des Nozizeptors. Das durch die Aktivität von PLC vermehrt in der Zelle vorkommende IP3 setzt intrazelluläres Calcium frei, welches Calcium-aktivierte Kaliumkanäle öffnet (7). So wird - ähnlich eines Gleichrichters - das Membranpotential verringert.

PLA2 erhöht in der Zelle die Konzentration an Arachidonsäure (AA), welche durch die Hydrolyse durch Cyclooxygenase zu Vorstufen von Prostaglandinen (Entzündungsmediatoren) umgewandelt wird.

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Sensibilisierung einer Nozizeptorzelle:

Prostaglandine binden an einen eigenen Rezeptortyp (8) , der ebenfalls G-Protein-gekoppelt ist. Sie wirken auf einen Nozizeptor sensibilisierend.

Werden durch eine Entzündung Prostaglandine ausgeschüttet und wirken diese auf einen Rezeptor eines Nozizeptors ein (8), so wird die Adenylatcyclase (AC) stimuliert, welche zu einer erhöhten Konzentration an cAMP in der Zelle führt. cAMP stimuliert nun wiederum eine cAMP-abhängige Proteinkinase (PKA), welche wie PKC die Eigenschaften der Na+-Kanäle durch Phosphorylierung verändert (9).

PKA wirkt jedoch hemmend auf  die Kaliumkanäle (10). Dadurch wird eine Depolarisation nicht so schnell durch einen Kationenausstrom abgebaut, und es kommt somit zu einer Annäherung des Ruhepotentials an die Erregungsschwelle des Nozizeptors.

Durch diese Sensibilisierung werden Nozizeptoren schon bei eigentlich nicht noxischen Reizen wie leichte Berührung oder Wärme erregt und damit ein Schmerz empfunden (Bsp.: Hautirritationen).

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