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Temperatursinn
Referat von Patrick Vogt, gehalten am 4.12.00

Der Temperatursinn ermöglicht es Mensch und Tier unterschiedliche Temperaturen wahrzunehmen. Der biologische Sinn dieser Fähigkeit liegt unter anderem darin, Temperaturbereiche zu erkennen, in denen der Körper Energie aufbringen muß, um die optimale Körpertemperatur aufrecht zu erhalten ("Warmblüter"), bzw. Temperaturbereiche aufzusuchen, in denen eine optimale Körpertemperatur gewährleistet ist ("Kaltblüter"). Die Thermoregulation des Körpers beruht also auf den "Aussagen" des Temperatursinns.

Die Beziehungen zwischen der Temperatur und der Impulsfrequanz einer einzelnen Kältefaser. Links: Impulsfrequenzen bei konstanten Temperaturen. Rechts: Impulsfrequenzen bei Temperatursprüngen im Bereich oberhalb und unterhalb des stationären Maximums.
Nach Hensel 1966

Bildnachweis: Penzlin, H. (1996); Lehrbuch der Tierphysiologie; Gustav Fischer Verlag

Thermorezeptoren

Man unterscheidet 2 Sorten von Thermorezeptoren: Kaltpunkte (Kp) und Warmpunkte (Wp). Beides sind frei im Gewebe liegende Endigungen von Sinnesnervenzellen. Die Kp sind dicht unter der Epidermis zu finden, während die Wp etwas tiefer im Gewebe liegen. Es gibt grundsätzlich mehr Kp als Wp (z.B. in der Hand: 1-5 Kp/cm2, und nur 0,4 Wp/cm2), wobei die Dichte der Rezeptoren je nach Körperregion variiert. Die Afferenzen der Thermorezeptoren senden ihre Informationen frequenzmoduliert zum Hypothalamus. Eine bestimmte Frequenz steht also für eine bestimmte Temperatur. Die einzelnen Fasern haben ihr Frequenzmaximum bei unterschiedlichen Temperaturen (Verrechnung im Hypothalamus). Dies gilt bei einer statischen Hauttemperatur. Erfolgt nun eine plötzliche Abkühlung der Temperatur reagieren die Kaltfasern mit einer überschießenden Erregung. Die Frequenz steigt sprunghaft an, um dann auf ihre für die neue Temperatur spezifische Frequenz abzufallen. Bei Erwärmung der Hauttemperatur erfolgt eine überschießende Hemmung der Kaltfasern. Ihre Frequenz fällt stark ab und steigt dann auf die neue temperaturspezifische Frequenz an. Die Wärmefasern reagieren wie die Kältefasern, aber mit umgekehrten Vorzeichen. Bei Erwärmung erfolgt eine überschießende Erregung , bei Abkühlung hingegen eine überschießende Hemmung. Hieraus ergibt sich, daß der Temperatursinn kein absoluter, sondern ein relativer ist. Somit kann ein und dieselbe Temperatur subjektiv als warm oder kalt empfunden werden, jenachdem an welche Temperatur die Sensoren zuvor adaptiert waren. Die biologisch relevanten Temperaturen (kleiner als 15°C und größer als 43°C) werden unabhängig von der jeweiligen Adaptation korrekt wahrgenommen.

Ein weiterer wichtiger Parameter für die Sensitivität der Temperaturänderungswahrnehmung ist die Größe der gereizten Fläche. Je größer die Hautfläche, desto größer ist die Sensitivität.

grubenmembran.jpg (89206 Byte)
Das Grubenorgan der Klapperschlange Crotalus viridis.
Nach Newmann u. Hartline 1982; Bullock u. Dieke 1956

Bildnachweis: Penzlin, H. (1996); Lehrbuch der Tierphysiologie; Gustav Fischer Verlag

Thermische Richtungsperzeption

Einige Schlangenarten besitzen ein thermosensensibles Organ, mit dem eine hochspezialisierte Richtungsperzeption möglich ist. Es handelt sich hierbei um das jeweils zwischen Auge und Nasenöffnung liegende Grubenorgan. Durch die grubenförmige Anordnung der Thermorezeptoren in der Membran des Grubenorgans ist eine exakte Lokalisation der Beute in völliger Dunkelheit möglich. So schlagen diese Schlangen in Dunkelheit eine Maus, die 10°C wärmer ist als ihre Umgebung, noch aus 60-70cm Entfernung.