Diese Graphik zeigt das Ergebnis einer Selektivitätsstudie an 60 einzelnen Riechzellen, die mit jeweils
20 unterschiedlichen Duftstoffen getestet wurden. Jede Zelle entspricht einer Spalte, jeder Duftstoff einer
Reihe. Die Größe der Punkte symbolisiert die Intensität der elektrischen Reaktion (Anzahl von Aktionspotentialen).
Die Zellen mit den Nummern 26 und 58 reagierenspezifisch auf Cineol und Campher. Zelle 4 dagegen reagiert
auf alle Dufstoffe außer Isoamylacetat.
Dieser Versuch zeigt, daß Riechzellen nicht nur auf einen einzigen Duftstoff spezialisiert sind. Sie reagieren
immer auf mehrere unterschiedliche Substanzen - manchmal haben sie sogar eine sehr geringe Selektivität. Die
Vielfalt von möglichen Dufstoffen ist dadurch praktisch unbegrenzt - es wird sich immer eine Zelle finden, die
reagiert. Allerdings kommt es infolge der relativ großen Toleranz der Duftstoffrezeptoren dazu, daß jeder Dufstoff
eine Reihe von Zellen ganz unterschiedlicher Selektivität aktiviert. Anisol (oberste Reihe) zB stimuliert etwa die
Hälfte aller getesteten Riechzellen. Jeder Duftstoff (und erste recht jede Duftstoffmischung!) erzeugt also ein
kompliziertes Aktivitätsmuster vieler, unterschiedlich "gestimmter" Riechzellen. Ein derart kompliziertes
Signal kann nur durch Musteranalyse ausgewertet werden.
Quelle: G. Sicard and A. Holley (1984) Brain Research 292:283
Stephan Frings, Uni Heidelberg, Abt. Molekulare Physiologie
Juni 2003
s.frings@zoo.uni-heidelberg.de