Zyklusvorlesung "Sinnesphysiologie - vom Ionenkanal zum Verhalten"

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Riechen
I. Riechsinneszellen
II. Zentrale Verarbeitung von Geruchssinformation


Themen:

Projektionen im Gehirn
 
proj.jpg Wenn man den Verlauf der Riechbahnen im Gehirn mit den Bahnen anderer Sinnesorgane vergleicht, sieht man einen ganz andere Verschaltung. Die bei anderen Modalitäten offensichtliche Route Sinnesorgan - Thalamus - Cortex scheint beim Riechen nur eine Art Seitenstraße zu sein. Sie führt vom Riechepithel (1) über die Riechkolben (2) durch den Tractus olfactorius (3) und den piriformen Cortex (4) zum Thalamus (5). Von hier geht die Information zum olfaktorischen Cortex, der in der Nähe der Riechkolben auf der Unterseite des Frontallappens liegt (orbifrontaler Cortex).
 
Neben diesem Weg zur bewußten Geruchswahrnehmung führen mehrere Geruchsbahnen in das limbische System. Durch den Hypothalamus (6) wirken Geruchssignale direkt auf das endokrine System, denn der Hypothalamus kontrolliert die Hypophyse und damit die Produktion vieler Hormone. Verschaltungen mit Amygdala und Hippocampus (7) sorgen für die Verknüpfung von Riechinformation mit emotionellen Inhalten, Erinnerungen, Assoziationen und Motivation.
 
Es ist deutlich, daß das Riechsystem nicht in erster Linie zur bewußten Analyse der Atemluft dient. Die vielfältigen Verbindungen mit dem limbischen System weisen darauf hin, daß die Geruchsinformation eine direkte (bewußtseinsunabhängige) Wirkung auf das Verhalten haben muss.
 
Quelle: Schmidt + Thews (1997) Physiologie des Menschen. Springer Verlag, Berlin.

Stephan Frings, Uni Heidelberg,        Abt. Molekulare Physiologie                   Juni 2003                   s.frings@zoo.uni-heidelberg.de