Das primäre Erdmagnetfeld entsteht durch Bewegung leitender Materie im Erdkern und kann in erster
Näherung so betrachtet werden wie ein Stabmagnet im Erdmittelpunkt, ein Dipol, dessen Südpol zur Norpol
der Erde und dessen Norpol zum Südpol der Erde weisen. Die magnetischen Feldlinien verlaufen nur am
Äquator parallel zu Erdoberfläche. Am Nordpol treten sie ins Erdinnere ein, am Südpol wieder heraus.
Neben dem primären Ermagnetfeld tragen noch wesentlich schwächere, sekundäre Faktoren zum Magnetfeld bei.
Dazu zählt vor allem das aus der Bewegung geladener Teilchen in der Ionosphäre resultierende Magnetfeld.
Welche Informationen kann ein Tier aus dem lokalen Erdmagnetfeld gewinnen und für seine Navigation nutzen?
Der Magnetfeldvektor (oben rechts) weist in Richtung des magnetischen Nordpols. Der Winkel
zwischen der Richtung zum magnetischen und geographischen Nordpol wird als Deklination oder
Misweisung bezeichnet. Magnetische Termiten richten ihre Bauten exakt nach magnetisch Nord aus. Interessanter
für die Navigation ist die Abweichung des Magnetfeldvektors von der Parallelorientierung zur Erdoberfläche, die
Inklination. Auf der Nordhalbkugel weisen die Magnetfeldvektoren zur Erde, auf der Südhalbkugel
von der Erde weg. Durch Messung der Inklination kann man daher den Breitengrad ermitteln. Ein weiterer nützlicher
Parameter ist die Intensität des Erdmagnetfelds, die zwischen Äquatorial- und Polarregionen
stark variiert. Eine Karte von Linien gleicher Feldintensität (unten) zeigt Werte um
60.000 nT (1 nT = 1 nanoTeslar = 10-9 Teslar, Einheit für magnetische Flußdichte), aber nur die Hälfte
davon am Äquator.
Quelle: Walker, M.M et al., (2002) Current Opinion in Neurobiology 12: 735-744
Stephan Frings, Uni Heidelberg, Abt. Molekulare Physiologie
Juli 2003
s.frings@zoo.uni-heidelberg.de