Zyklusvorlesung "Sinnesphysiologie - vom Ionenkanal zum Verhalten"

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Der Magnetsinn - Orientierung im Magnetfeld der Erde


Themen:

Magnetische Bakterien
 
magbug.jpg Für Sinnesphysiologen ist die vielleicht spannendste Frage bei der Untersuchung der Magnetorientierung, welche Sensoren die Tiere besitzen, um das Erdmagnetfeld mit hoher Präzision analysieren zu können. Den ersten Hinweis auf einen zellulären Magnetfeldsensor lieferte das magnetotaktische Bakterium Magnetospirillum magnetotacticum (rechts, oben). Dieses Bakterium synthetisiert permanent-magnetische Eisenoxidkristalle (Fe.O, Fe2O3, Fe3O4) - Magnetit. Einzelne Magnetitkristalle können sich nicht stabil im Erdmagnetfeld ausrichten, denn die thermische Energie ist größer als der magnetische Impuls bei den nur ca 50 nm großen Kristallen. Deshalb werden die Einzelkristalle zu Ketten zusammengelagert, in denen die thermische Bewegung gedämpft wird, so daß das magnetische Moment überwiegt (rechts, mitte). Die Ketten richten sich entlang des lokalen Magnetfeld-Vektors im Erdmagnetfeld aus.
 
Warum braucht ein Bakterium Magnete? Magnetospirillum ist ein anaerobes Bakterium. Es lebt im marinen Sediment und versucht, möglichst tief ins Sediment einzudringen, um dem giftigen Sauerstoff zu entgehen. Auf der Nordhalbkugel sind Magnetospirillum-Bakterien Norsucher. Sie schwimmen entlang des Magnetfeld-Vektors nach Norden, aber - wegen der gegen die Erde weisende Inklination des Vektors - eben auch nach unten, ins Sediment. Auf der Südhalbkugel, wo die Vektoren von der Erde wegzeigen, sind die Bakterien magnetotaktisch andersrum gepolt: Sie sind Südsucher, sie schwimmen nach Süden und damit ebenfalls ins Sediment (rechts, unten).
 
Die Entdeckung von biogenem Magnetit als zellulärem Sensor für das Erdmagnetfeld hat die Suche nach Magnetit-haltigen Zellen auch bei höheren Tieren stimuliert. Mittlerweile ist Magnetit bei Insekten, Mollusken, Vögeln und Fischen entdeckt worden und gilt als guter Kandidat für Magnetorezeption auch bei Vertebraten.
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Stephan Frings, Uni Heidelberg,        Abt. Molekulare Physiologie                   Juli 2003                   s.frings@zoo.uni-heidelberg.de